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Schmutzige Hände

„Einen Menschen zu beerdigen heißt immer, sich die Hände schmutzig zu machen.“
Ein Bestatter aus meinem Heimartort sagt das. Sagt es damals, es muss mehr als 25 Jahre her sein, zur Erläuterung, warum er kein Körbchen mit Blütenblättern ans Grab stellt.

Sehr oft habe ich seitdem an ihn gedacht. Das Körbchen mit Blumen steht an jedem offenen Grab. Ein letzter Gruß, liebevoll, achtsam, schön. So greifen viele zu und streuen die Blumen ins Grab. Manche vermeiden so bewusst oder unbewusst das Geräusch, das die Erde macht, wenn sie auf den Sarg oder auf die Urne fällt. Ich verstehe es gut.
Trotzdem kommt mir der Bestatter von damals in den Kopf:
„Einen Menschen zu beerdigen heißt immer, sich die Hände schmutzig zu machen. Es kann kein Mensch von dieser Welt gehen, ohne dass das Spuren an uns hinterlässt. Und man kann auch niemanden mit Blumen beerdigen.“
Und hat das nicht ein Mensch auch verdient, dass wir mit schmutzigen Händen, die wir im Moment keinem anderen reichen können, vom Friedhof weggehen? Der Tod ist nicht blumig. Er ist erdig. Die Erde gibt Halt. Und auch an uns bleibt ein bisschen von der Erde zurück.

Wenn ich nicht die Schaufel nehme, sondern die bloßen Hände, dann ist auch das Geräusch der Erde auf dem Sarg nicht dumpf.
Dann tue ich, was ich tun muss, weil es eben nicht anders geht.
Ich kann’s mir nicht schön machen. Und auch nicht vermeiden.
Aber die Hände „erden“ sich.

Erde zu Erde. Asche zu Asche, Staub zum Staub.
Die Worte schließen den Kreis zur Taufe.
Damals hat sich einer die Hände für mich nass gemacht. Um mich einzutauchen in die Geschichte Gottes, in Leben, Sterben und Auferstehung.

Am Grab sind es wieder Hände. Erdige Hände, die für einen Moment Spuren tragen von der Endlichkeit. Die auch Teil ist vom Kreislauf aus Leben, Sterben und Auferstehung.

Pfarrerin Monika Christ, Höhr-Grenzhausen

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