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Augenblick mal... Kirche und Demokratie

In den vergangenen Jahrzehnten ist immer wieder einmal die Frage gestellt worden, ob die Kirche eine Demokratie ist oder sein soll. Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach und bedarf einer sorgfältigen Unterscheidung. In einer ganz wichtigen Hinsicht ist die Kirche nämlich keine Demokratie. Denn die Demokratie beruht wie alle anderen politischen Herrschaftsformen letztlich auf der Androhung und notfalls auch dem Einsatz von Gewalt, um die Entscheidungen des Gesetzgebers durchzusetzen. Genau dies trifft aber auf die Kirche nicht zu. Zwang und Gewalt haben hier keinen Platz.

Und auch wenn manche Politiker und Medien hin und wieder ein „Machtwort“ von kirchenleitenden Personen, z.B. vom Ratsvorsitzenden der EKD Heinrich Bedford-Strohm, zu bestimmten Fragen fordern, zeugt diese Forderung nur davon, dass da jemand gründlich missverstanden hat, wie die Kirche funktioniert. Wir haben keinen Platz für Machtworte. Jede Christin und jeder Christ ist dazu aufgefordert, für seinen Glauben und seine Überzeugungen einzustehen. Und eine jede solche Stellungnahme kann nur eine Aufforderung an andere Christ*innen sein, selbst Position zu beziehen, aber jedenfalls keine Glaubensvorschrift.

Wenn wir jedoch unter Demokratie lediglich den Grundsatz verstehen, dass alle Mitglieder eines Gemeinwesens gleichberechtigt an den Entscheidungsprozessen in diesem Gemeinwesen teilnehmen dürfen, dann sind die evangelischen Kirchen selbstverständlich demokratisch aufgebaut. Sobald ein Mensch nach den staatlichen Gesetzen religionsmündig ist (also ab dem 14. Lebensjahr), kann er sich in Kirchenvorstände und Synoden wählen lassen, und seine Stimme zählt in diesen Gremien genau so viel wie die von Pfarrerinnen oder Kirchenpräsidenten.

Allerdings ist die Kirche nicht weniger, sondern eher noch mehr als der Staat darauf angewiesen, dass sich die Kirchenmitglieder für sie engagieren. Das beginnt mit der Wahrnehmung des Wahlrechts gerade auch in diesem Jahr bei den Kirchenvorstandswahlen am 13. Juni, hört damit aber noch lange nicht auf. Nicht nur für die Mitarbeit in Gottesdiensten, im Besuchsdienst, der Notfallseelsorge oder auch im Einsatz für Geflüchtete und in vielen anderen Feldern, sondern auch für leitende Funktionen auf allen Ebenen braucht die christliche Gemeinschaft Menschen, die sich für ihre Mitmenschen und eben diese Gemeinschaft einsetzen.

Eine reine „Pfarrerkirche“, in der die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur die ganze Arbeit machen müssen, sondern auch alle Entscheidungen treffen, würde nicht nur dem evangelischen Prinzip der Beteiligung Aller widersprechen, sie wäre einfach nicht überlebensfähig. Deshalb danke ich an dieser Stelle allen Menschen, die sich bereitgefunden haben, für den Kirchenvortand zu kandidieren, ganz herzlich, und wünsche allen, die gewählt werden, Gottes Segen und viel Erfolg bei ihrer Arbeit im Weinberg Gottes.

Dekan und Pfarrer Dr. Axel Wengenroth


 

 

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