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Vom (un-)absichtlichen Glauben

Das Spazierengehen habe ich während der Examensvorbereitungen gelernt. Wenn die Hirnsynopsen ob der Flut an Daten und Thesen in Streik traten, dann bin ich raus in die Natur. Solange, bis der Kopf wieder frei war.

Irgendwann fragte mich ein guter Freund, ob ich auch „einfach mal so“ spazieren gehe? Ohne Zielsetzung, ohne an das Examen zu denken? Ich musste ihm die Antwort schuldig bleiben. Einfach nur so? Ohne Absicht? Nein, dazu fiel mir nichts ein.

Heute könnte ich ihm zumindest eine gute biblische Antwort liefern. Im Brief an die Kolosser lesen wir: „Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ (Kol 3, 17) Will sagen: Streng genommen tut ein „Christenmensch“ nichts ohne Absicht! Alles, was wir tun, das dient zu allererst Gott, dem Vater, zur Ehre. An zweiter Stelle handeln wir in allen Dingen und an allen Dingen, um Jesus Christus nachzufolgen. An dritter Stelle zielt all unser Tun darauf ab, unsere Nächsten zu lieben. Ohne Absicht? Folgen wir dem Kolosserbrief, dann können wir gar nicht anders, als absichtsvoll zu handeln. Doch genau diese Vorgaben, insbesondere die erste, hatten Martin Luther so zu schaffen gemacht: Alles, sei es mit Worten oder mit Werken, so zu tun - tun zu müssen - dass es Gott zur Ehre dient, das übersteigt das Menschenmögliche. Wer es versucht, wer mit menschlichen Kräften versucht, diese Ansprüche zu erfüllen, der ist zum Scheitern verurteilt.

Dabei müssen wir nicht einmal auf Absicht Nr. 1, auf die Gottesliebe, blicken, um unsere Schwierigkeiten mit dem absichstvollen Handlen offenzulegen. Unser Scheitern beginnt schon bei Absicht Nr. 3: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ Wie schwierig es ist, das Gebot der Nächstenliebe mit Leben zu füllen, das ist uns allen bewusst. Und das „wie Dich selbst“? Das bereitet vielen von uns womöglich die größten Probleme. Darum ist der Gedanke so spannend, hin und wieder mal absichtslos zu handeln. Sich hin und wieder von dem Druck zu befreien, alle Vorgaben erfüllen zu müssen - den biblischen, wie auch jenen, die wir uns selbst auferlegen.

Gerhard Tersteegen schrieb in seinem Lied „Gott ist gegenwärtig“: „Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten: lass mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ Nicht krampfhaft alles dransetzen, irgendwelche Vorgaben zu erfüllen, sondern loslassen – und auf diese Weise Gott wirken lassen. Gott an uns und in uns wirken zu lassen, also sozusagen un-absichtlich glauben, wäre das nicht die schönste Form, Gott Ehre zu geben?

Pfarrer Oliver Sigle, Dreifelden

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