Suppenschwätzchen widmet sich großen Themen und kleinen Plaudereien

veröffentlicht 22.09.2026 von bon, Ev. Dekanat Westerwald

Mehr als 200 Menschen haben das erste Westerburger „Suppenschwätzchen“ erlebt. Das Projekt der Regionalen Diakonie Westerwald Rhein-Lahn will Lust aufs Austauschen und Zuhören machen – und das ist an diesem sonnigen Tag gelungen, finden die OrganisatorInnen.

Bei einem warmen Teller Suppe, Getränken und Waffeln haben die Gäste auf dem Westerburger Marktplatz eine Menge zu besprechen. 

Das Suppenschwätzchen ist ein Format, das ein Zeichen gegen Polarisierung und fürs Zuhören setzen möchte. Die Leute waren eingeladen, auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch über Kontroverses, aber immer respektvoll. Gelegenheiten dazu gab’s viele: Ein halbes Dutzend Stände verschiedener Akteure aus Gesellschaft und Religion (unter anderem des Evangelischen Dekanats Westerwald, der Berufsbildenden Schule Westerburg oder der Jugendpflege der Verbandsgemeinde) sowie Stadtbürgermeister Janick Pape und Bürgermeister Markus Hof nehmen sich an diesem Tag Zeit für die Fragen und Anliegen der Besucher. Jugendpflegerin Janine Fein kommt am Stand der Jugendpflege mit vielen ins Gespräch. Oft lässt sie die Leute einfach nur erzählen: „Ich glaube, dass einigen von ihnen selten zugehört wird. Manche waren mir gegenüber sehr offen und gehen mit dem guten Gefühl nach Hause, heute gehört worden zu sein.“

Bierdeckel als Inspiration

Zuhören. Für die Veranstalter ist das an diesem Tag besonders wichtig. Wichtiger als Diskussionen, die sich womöglich irgendwann im Kreis drehen. Damit die Gespräche dennoch in Schwung kommen, geben Bierdeckel auf Tischen Inspirationen für Gesprächsthemen. Zum Beispiel: Was können wir heute tun, damit junge Menschen eine gute Zukunft haben? Oder: Bei welchen politischen Themen möchtest Du gerne stärker mitbestimmen? An einem Tisch geht es unterdessen ums Altwerden – ein Thema, das Regina und Angela sehr bewegt. Die beiden sind in ein Gespräch vertieft, in dem sie sich fragen, wie dieser Prozess gut gestaltet werden kann. „Wir sprechen darüber, wie man sich im Alter ein Netzwerk aufbauen kann, statt zu vereinsamen“, sagt Regina. „Ein Netzwerk mit Menschen, die sich helfen und miteinander reden. Zurzeit überlegen wir, eine Gruppe in der Region zu gründen, die genau das zum Ziel hat: sich im Alter gegenseitig zu unterstützen.“ 

Auch junge Menschen sprechen beim Suppenschwätzchen über ihre Herzensthemen. Zum Beispiel Ole Friedrich, FSJler der Jugendpflege: „Ich wünsche mir mehr Angebote für Jugendliche vor Ort. Offene Sportplätze; Orte, an denen man sich treffen und Zeit verbringen kann. Das ist auch der Grund, warum ich mich in der Jugendarbeit engagiere.“ Auch Daniel ist engagiert. Der Schüler der Berufsbildenden Schule interviewt mit ein paar Mitstreitern die Suppenschwätzchen-Besucher für einen Podcast. Von ihnen will er unter anderem wissen, was Freiheit bedeutet. Er selbst hat dazu ebenfalls eine Meinung: „Freiheit bedeutet für mich, freie Entscheidungen treffen zu können und in Frieden zu leben.“

Gespräch gegen Grundfrust

Nicht jedes Gespräch widmet sich heute solch großen Themen. Manche Gäste halten sich ans Motto des Tages und halten bei einer Suppe ein Schwätzchen – nicht mehr, nicht weniger. Ist doch wunderbar, finden Kristina und Katja, deren Arbeitsplatz nur wenige Meter entfernt liegt. „Endlich ist mal was los auf dem Marktplatz“, sagen sie lächelnd. „Wir finden es gut, dass es solche Gelegenheiten zum Austausch gibt. In der Gesellschaft herrscht ein Grundfrust. Der macht‘s immer schwieriger, vernünftig miteinander zu reden.“

Manche, die heute da sind, haben diesen „Grundfrust“ in sich und nutzen die Gelegenheit, ihn sich von der Seele zu reden. „Eben hatte ich ein Gespräch mit jemandem, der mir seine politische Meinung in einem Monolog kundgetan hat. Mich würde interessieren, was ihn eigentlich bewegt und hätte ihn gerne näher kennengelernt, aber dazu kam es leider nicht“, sagt Diakonie-Mitarbeiter Kai Zander, der das „Suppenschwätzchen“ gemeinsam mit seiner Kollegin Karin Klein organisiert hat. „Aber das war heute die Ausnahme. Die meisten Gespräche waren auf Augenhöhe; nicht übereinander, sondern miteinander. Und das macht mich sehr glücklich.“ 

Auch, weil das Suppenschwätzchen offenbar Menschen quer durch die Gesellschaft anspricht, sagt Karin Klein: „Hier sind ganz unterschiedliche Leute: junge und alte, neu Zugezogene und alteingesessene oder solche mit Migrationshintergrund. Aber niemand, der Unruhe stiftet. Ganz im Gegenteil: Ich beobachte, dass viele die Diskussionen in eine positive Richtung gehen und das wertschätzen, was gut ist.“ (bon)