Dietmar Engelberth wirkt besonnen, wenn er spricht. Er wählt seine Worte mit Bedacht und lässt sich Zeit. Auch, was Entscheidungen angeht. „Ich habe schon im Herbst 2024 Jahren gezuckt, als ein Nachfolger für den ehemaligen Präses Volker Siefert gesucht wurde“, erzählt er. „Aber es war noch zu früh und das Thema ist zur Seite geglitten.“
Zur Seite geglitten. Dietmar Engelberth hat ein Faible für solche Formulierungen und für die Schönheit der Sprache. Seit den 1990er-Jahren ist er Mitglied des Kölner Literaturateliers. In seiner Freizeit schreibt er Texte, Gedichte, Kurzgeschichten, viele davon expressionistisch, dadaistisch, verschlungen. Auch das Leben des neuen Präses verläuft nicht geradeaus. Dietmar Engelberth stammt aus dem Bergischen Land und will als junger Mann Medizin studieren. Zunächst erlernt er einen Pflegeberuf, doch eine Allergie zwingt ihn, seinen Plan zu ändern. Er arbeitet daraufhin ein halbes Jahr auf dem Bau und studiert dann Soziale Arbeit in Siegen. Auch dabei bleibt es nicht: Über Umwege führt es ihn in einen IT-Beruf. Bis zur Rente ist Dietmar Engelberth zunächst als Entwickler für spezialisierte Wirtschafts- und Produktions-Software tätig, danach in gleicher Funktion in der Wissenschaftswelt der Fraunhofer-Gesellschaft. Verschlungene Wege.
Sein Glaubens-Weg ändert ebenfalls oft die Richtung. Ab Mitte der 1970er-Jahre bewegt er sich überwiegend in „frommen“ Zirkeln im Bergischen und Siegerland. Später wird sein Glaube „dekonstruiert“: Er stellt Fragen und macht Erfahrungen, die ihn in den 1980er-Jahren an Gott zweifeln lassen. „Erst um 2007 begann ich wieder, mich dem Glauben zuzuwenden. Die Kirchentage haben dabei eine wichtige Rolle gespielt.“ Und auch: das Reformationsjubiläum des Jahres 2017, das er sehr intensiv erlebt und vor Ort mitgestaltet. Mitte der 2010er-Jahre wird er Mitglied des Hachenburger Kirchenvorstands und später des Trägervorstands der GüT, das ist die Gemeindeübergreifende Trägerschaft der Evangelischen Kindertagesstätten des Dekanats. Die GüT vernetzt, koordiniert und verwaltet die Evangelischen Kitas der Region. „Die Art und Weise, wie dort Glaube und Gemeinschaft verknüpft sind, bewegen mich sehr“, sagt er.
Und nun: das Präses-Amt. Das höchste Laien-Amt in einem evangelischen Dekanat. Ein Dienst, den er ebenso angehen möchte wie vieles andere: besonnen. Ohne fertigen Masterplan; ohne schon alles zu wissen. „Jeder Präses führt anders“, sagt er. „Ich möchte ein Zuhörender sein; ein Brückenbauer, obwohl diese Bezeichnung schon sehr groß klingt. Ich will schauen, wo die Kompetenzen der Mitarbeitenden liegen und wo Schätze geborgen werden können.“ Und wie hilft ihm dabei sein Glaube mit dem Dekonstruieren, Neu-Denken und seinem Vertrauen? „Ich will meinen wertschätzenden, wahrnehmenden Blick aufrechterhalten – auch was andere Positionen betrifft. Das spiegelt meine Beziehung zu Gott glaube ich ganz gut wider.“ Aber Dietmar Engelberth weiß auch, dass das Amt ein leitendes ist. Dass er Entscheidungen treffen muss, die seinem Gefühl widersprechen können: „Manchmal muss ich sachgebunden entscheiden. Das passt nicht immer zum Kuschelkurs.“ Grundsätzlich sieht er sich als Verwalter und als Ideengeber. Als einen Menschen, der Lust aufs Ehrenamt macht und damit mit gutem Beispiel vorangeht. „Das Ehrenamt muss sicht- und hörbarer werden. Das macht Kirche lebendig. Dafür zu werben ist für die Zukunft das A und O“, betont er.
Anderthalb Jahre hat er dafür Zeit. Dann ist die nächste Wahl des Präses, und dann könnte er nochmal antreten – mit der Aussicht auf eine volle, sechsjährige Amtszeit. Doch so weit ist er noch nicht. „Ich nutze die restliche Zeit dieser Legislaturperiode, um Antworten auf Fragen zu finden: Habe ich Positionen entwickeln können? Habe ich Dinge bewegt? Ob ich nochmal antrete, entscheide ich dann in Ruhe und gemeinsam mit meiner Frau.“
Wie lange seine Amtszeit am Ende auch dauern wird: Dietmar Engelberth möchte sie nutzen. Um besonnen an einer Kirche mitzubauen, die in einer Gesellschaft präsent bleibt. „Die gesellschaftliche Entwicklung bereitet mir Sorge“, sagt er. „Ich hoffe, dass die Kirche anständig bleibt. Dass sie jegliche Form des menschlichen Lebens achtet.“ (bon)