Morsche Balken im Kirchturm

veröffentlicht 03.08.2026 von shg, Ev. Dekanat Westerwald

Knapp 200 Jahre lang schmückte das verschnörkelte Turmkreuz aus Metall mit dem goldenen, Posaune spielenden, Engel an der Spitze die Kirche in Liebenscheid. Vor knapp drei Jahren dann fielen Teile der Blechverkleidung am Übergang zum Turmkreuz herunter und das Kreuz musste aus Sicherheitsgründen abgenommen werden.

Eine Überprüfung ergab, dass durch eingedrungene Feuchtigkeit Teile der historischen Holzkonstruktion des Daches morsch waren. Eine aufwändige Sanierung wurde nötig, bei der tragende Balken im Dach erneuert werden müssen. „Keine leichte Aufgabe“, sagt Architektin Bianca Mille, „denn die Traglast der Balken muss jeweils zunächst umverteilt werden, damit die Holzkonstruktion ausgetauscht werden kann und das Dach stabil bleibt. Und die neuen Balken sind Handarbeit auf höchstem Niveau, die kann man nicht im Baumarkt kaufen.“ Bianca Mille verfügt über langjährige Erfahrung in der Sanierung denkmalgeschützter Kirchenbauten. 

Genehmigung und Finanzierung durch die Landeskirche

Nach Schadenskartierung, Schadstoffanalyse und Kostenaufstellung ging das Sanierungskonzept der Baumaßnahme zur Genehmigung an die Landeskirche, danach konnten die Bauarbeiten im Frühjahr dieses Jahres beginnen. Arbeiten von Gerüstbauern, Zimmerleuten, Dachdeckern, Verputzern, Malern und Restauratoren sind auf der Baustelle eingeplant. Die Kosten für die gesamte Maßnahme liegen bei rund 800 000 Euro, die zum größten Teil von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) übernommen werden. Zurzeit legen die Zimmerleute letzte Hand an die Holzarbeiten, bevor das Dach wieder mit altdeutscher Deckung geschiefert werden kann. 

Zusammenarbeit auf allen Ebenen

Bei einem kürzlich erfolgten Ortstermin sahen sich Architektin Bianca Mille, Pfarrerin Iris Kühmichel und Werner Morr vom Bauausschuss der Kirchengemeinde Liebenscheid zusammen mit Marco Müller und Michael Marx von der Zimmerei Müller den Stand der Arbeiten an. Ende des Jahres soll die Sanierung abgeschlossen sein. „Ich freue mich, dass es so gut und reibungslos läuft. Ich habe großes Vertrauen in die Arbeiten und diejenigen, die sie ausführen. Für die Unterstützung durch den Bauausschuss der Kirchengemeinde bin ich sehr dankbar. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Pfarrerin Iris Kühmichel. Für den Abschluss der Arbeiten stellt sie eine feierliche Wiedereröffnung in Aussicht. Obwohl Gottesdienste auch im Moment weiterhin dreimal im Monat in der Liebenscheider Kirche stattfinden. Das Baustellenflair um die Kirche herum störe einige, aber Gefahr bestehe für die Gottesdienstbesucher nicht, sagt die Pfarrerin. 

Kirchlicher Ort seit 1452

Die denkmalgeschützte Liebenscheider Kirche wurde 1765 aus heimischem Basalt errichtet. Der Saalbau mit Walmdach und Türmchen ist der Nachfolgebau einer Kapelle aus dem Jahre 1452, die, nach rund 300jährigem Bestehen an gleicher Stelle, abgerissen wurde. Von der Kapelle zeugt noch ein Stück des Bodens im Fischgrätmuster. Es wurde in den 1970er Jahren bei einer Innenrenovierung entdeckt und ist in den jetzigen Fußboden integriert worden. Die evangelische Kirche ist Predigtstätte für rund 1400 Gläubige aus Liebenscheid, Rabenscheid und Neukirch. Im Zuge des Reformprozesses EKHN2030 werden die drei Kirchengemeinden zum 1. Januar 2027 zusammen mit Neunkirchen, Emmerichenhain und Rennerod die Kirchengemeinde „Hoher Westerwald“ mit insgesamt rund 6100 Mitgliedern bilden.