„Ich sah unsere Nachbarin mit Kleidung voller Blut nach Hause kommen, weil sie an der Unglückstelle erste Hilfe geleistet hatte“, berichtete eine Teilnehmerin. „Die 18 Särge mit den Opfern wurden durchs Dorf gefahren und die trauernden Angehörigen gingen hinterher, wir konnten nur fassungslos zuschauen“, erzählte eine Weitere. Den lauten Knall, als der Bus mit 40 Auflüglerinnen auf der B8 am 1. Juni 1955 gegen einen Baum prallte, habe der ganze Ort gehört, berichteten die Zeitzeugen. Bei der knapp halbstündigen Veranstaltung am alten Schullandheim, dessen Errichtung eine Folge des Busunglücks gewesen war, hatten die zahlreichen Teilnehmenden Gelegenheit über damals ins Gespräch zu kommen. Nach einer detaillierten Rückschau auf die Ereignisse dieses Tages, lud Pfarrerin Elisabeth Huhn in einer Andacht zur Besinnung ein. Sie fragte nach den Menschen, die sich schuldig machten, nach den Hinterbliebenen der verstorbenen Frauen, nach Vergebung und Hoffnung.
Weitere Termine der ökumenischen Andachts-Reihe „Schmerzpunkte“, zu der die evangelische Erwachsenenbildung des Dekanats und die Pfarrei Liebfrauen Westerburg in der Passionszeit einladen, sind:
Donnerstag, 12. März, bereits um 17 Uhr, auf dem jüdischen Friedhof Gemünden (Treffpunkt 16:45 Uhr am Parkplatz neuer Sportplatz). Geschichtsexperte Stefan Ferger erinnert an die Schändung der Grabstätten 1932 am jüdischen Friedhof Gemünden, die bereits ein Jahr vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten stattfand. Bei den letzten Reichstagswahlen 1933 wählten 90% der Wähler in Gemünden nationalsozialistisch. Sogar das „Israelitische Familienblatt“ aus Hamburg berichtete im Mai 1932 über die massiven antijüdischen Ausschreitungen im Westerwald.
Donnerstag, 19. März, um 19 Uhr am Parkplatz Hofwiese Westerburg. Sozialpädagoge und Suchtberater bei der Diakonie Westerwald, Reiner Kuhmann, klärt über die verschiedenen Arten der, derzeit im Westerwald kursierenden, Drogen, deren Wirkungen und Risiken sowie Konsummuster auf. Gerade Jugendliche geraten in Versuchung: aus Neugier, durch Gruppendruck, aus Überforderung; der Drogenkonsum in dieser Altersgruppe steigt. Doch was kurzfristig Erleichterung bringt, kann langfristig abhängig machen, Beziehungen zerstören und die eigene Zukunft gefährden.
Donnerstag, 26. März, um 19 Uhr vor der Christkönigkirche Westerburg. Pastoralreferentin Dorothee Bausch thematisiert den Verlust kirchlicher Gebäude im Westerwald. Die Reformprozesse sowohl der Katholischen als auch der Evangelischen Kirche nehmen die Veräußerung von Kirchen zunehmend in den Fokus. Doch Kirchen sind mehr als Immobilien, sie sind geistliche Orte, identitätsstiftende Wahrzeichen und oft prägende Mittelpunkte ihrer Dörfer und Städte. Ihr Verkauf oder ihre Umnutzung lösen auch Trauer und viele Fragen aus.
In der Passionszeitreihe wird an historischen Orten im Westerwald an Ereignisse und Geschichten erinnert, die Spuren in Landschaft, Gebäuden und Biografien hinterlassen haben. Jede rund zwanzigminütige Andacht an Donnerstagen beinhaltet einen kurzen Impuls, der einen Raum für Besinnung eröffnet. Alle Veranstaltungen sind ohne Anmeldung und kostenfrei. Weitere Informationen bei Sabine Hammann Gonschorek unter Tel. 02663/9682 22, E-Mail: sabine.hammann-gonschorek@ekhn.de.