Es ist der zweite und letzte Bauabschnitt an der Kirche. Im vergangenen Jahr wurden bereits das Seitenschiff und die Apsis neu eingedeckt sowie die Außenfassade gestrichen. Jetzt ist der Innenraum an der Reihe. „Die Elektroinstallation und die Heizungsanlage sind in die Jahre gekommen und werden erneuert“, sagt Architektin Bianca Mille. Sie koordiniert die Arbeiten und stimmt sich dabei fortlaufend mit den beteiligten Fachfirmen ab. „Außerdem nutzen wir die Gelegenheit, um den Kirchenraum funktional weiterzuentwickeln und die unterschiedlichen historischen Zeitschichten besser miteinander in Beziehung zu setzen“, sagt sie.
Stühle statt Bänke
Konkret bedeutet das: In den ersten Reihen stehen künftig Stühle statt Bänke. „Auch im Seitenschiff werden die vorhandenen Bänke weitgehend zurückgebaut, sodass der Kirchenraum dort künftig flexibler genutzt werden kann“, ergänzt Bianca Mille. Damit die Stühle bei Bedarf aus dem Weg geräumt werden können, gibt es im Inneren außerdem Einbaumöbel als Stauraum, die die fehlende Sakristei wett machen sollen.
Raum für Kirche und Kultur
Die Höchstenbacher Kirche wird also vielseitiger nutzbar – auch für andere kirchliche und kulturelle Formate. Außerdem erneuern Fachleute die veraltete Elektroinstallation und die Heizungsanlage, die von einer Sitzbankheizung ersetzt wird. Um die entsprechenden Leitungen verlegen zu können, musste der Boden der Kirche aufgerissen werden. „Der bestand aus belastetem Gussasphalt und wird nun fachgerecht ausgebaut und entsorgt. Stattdessen liegen dort demnächst Sandsteinplatten“, erklärt Bianca Mille. Der neue Boden ist nicht nur hell und hübsch, sondern hat gegenüber dem alten einen großen Vorteil: Der Sandsteinbelag wird auf einem diffusionsoffenen Unterbau verlegt. So kann Feuchtigkeit künftig über die Bodenfläche entweichen, statt sich wie bisher stärker in die angrenzenden Wände zu verlagern.
Apropos Wände: „Die mittelalterlichen Wandmalereien im Chor werden gereinigt und konserviert. Eine Arbeit für sehr geduldige Menschen“, sagt Bianca Mille lächelnd. Diese uralten Gemälde bilden einen deutlichen Kontrast zum eher barock gestalteten Kirchenschiff. „Das neue Farbkonzept soll diese unterschiedlichen Zeitschichten nicht vereinheitlichen, sondern gestalterisch miteinander verbinden“, sagt die Expertin.
Gesamtkosten: 1,3 Millionen Euro
In die Kirchenrenovierung fließen also viele Planungen, Mühen, viel Zeit – und auch Geld: Die aktuelle Maßnahme schlägt mit rund 740.000 Euro zu Buche; inklusive der Kosten für die bereits abgeschlossenen Außensanierung belaufen sich die Arbeiten auf 1,3 Millionen Euro. Den Großteil davon trägt die Landeskirche; auf die Kirchengemeinde kommt ein Eigenanteil von rund 20 Prozent zu. Doch das Geld ist gut investiert, ist sich Architektin Bianca Mille sicher: „Wir entwickeln die schöne Kirche behutsam weiter, statt sie komplett neu zu gestalten. Notwendige technische Neuerungen integrieren wir zurückhaltend, wahren die historische Substanz und gestalten das Gotteshaus so, dass es bald noch besser genutzt werden kann.“ (bon)