Am Beispiel der Geschichte von Medea und Jason in der griechischen Mythologie zeigte er, wie Menschen wider besseres Wissen handeln. „Zwischen Wollen und Tun klafft eine Lücke“, sagte Failing und verwies auf Paulus' Worte: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Vers 19). Die Lösung für diesen Konflikt liege laut Paulus im Vertrauen auf Gott durch Jesus Christus. Um diesen Gedanken zu veranschaulichen, erzählte Failing von einem Gegenstand, der ihn schon viele Jahre begleitet: einer Kabeltrommel, die er 1995 zur Ordination geschenkt bekam. Sie wurde von Kindergarteneltern zum Waffelbacken genutzt, war bei zahllosen Krippenspielen im Einsatz und wurde von Hausmeistern beim Heckenschneiden gleich viermal mit der Heckenschere beschädigt, berichtete Failing. Jedes Mal reparierte er das Kabel. Die Kabeltrommel wurde zum Bild für den Glauben: Erst wenn sie angeschlossen werde, könne sie ihre Aufgabe erfüllen, sagte Pfarrer Failing. Es brauche den Anschluss an die Kraft Gottes, damit Menschen aus ihren Widersprüchen herausfinden können.
Entflichtung durch die Pröpstin
Im Anschluss folgte die Entpflichtung aus dem aktiven Pfarrdienst durch Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer. Unterstützt wurde sie dabei von Dekan Dr. Axel Wengenroth sowie Pfarrerin Monika Christ und Pfarrer Carsten Schmitt, die zum Pfarrteam der Evangelischen Kirchengemeinde Westerwald Süd gehören. In ihrer Ansprache erinnerte die Pröpstin an Failings Ordination im Jahr 1995. Damals erhielt er das Bibelwort aus Psalm 31: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Zuversicht und Vertrauen sprächen aus diesem Vers. „Du hast mit den Menschen in deinen Gemeinden gelebt und Glauben geteilt“, würdigte Bertram-Schäfer seinen langjährigen Dienst. Nun eröffne sich mit Gottes Geleit im Ruhestand ein neuer Raum. Auch Dekan Dr. Axel Wengenroth dankte dem scheidenden Pfarrer für seine Arbeit. Über viele Jahre habe Failing gemeinsam mit Pfarrer Peter Wagner im Dekanat Westerwald die Lektoren- und Prädikantenausbildung betreut. Schon zuvor habe ihm die Förderung des ehrenamtlichen Verkündigungsdienstes am Herzen gelegen. Auch sei er für seine Kolleginnen und Kollegen stets ansprechbar gewesen und habe bereitwillig Vertretungsdienste übernommen. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes lag beim Chor SantoCHORazon unter der Leitung von Ursula Lubitz. Dem kleinen Chor der Evangelischen Kirchengemeinde gehört auch Hartmut Failing selbst an. Sein vielseitiges Repertoire reicht von Gospel und Lobpreis bis hin zu Pop- und Filmmusik.
19 Jahre in Alsbach
Hartmut Failing wurde 1962 in Gießen geboren und legte 1981 sein Abitur in Wetzlar ab. Anschließend studierte er Evangelische Theologie in Marburg und Heidelberg. 1995 wurde er zum Pfarrvikar ordiniert, darauf folgten Vikariat und erste Gemeindepfarrstellen in den Propsteien Oberhessen und Nord-Nassau. Zum 1. November 2007 übernahm er die Pfarrstelle in Alsbach. Damit war er zum Tag des Festgottesdienstes genau 19 Jahre in der Gemeinde tätig. Offiziell endet sein Dienst erst zum 1. April 2027. Im Anschluss war die Gottesdienstgemeinde ins Evangelische Gemeindehaus zu einem Empfang eingeladen.