Ein Pfarrer für die Menschen am Rande der Gesellschaft verabschiedet sich

veröffentlicht 28.05.2026 von bon, Ev. Dekanat Westerwald

Mit einem bewegenden Gottesdienst in Nassau hat sich Pfarrer Markus Fehlhaber in den Ruhestand verabschiedet. Damit sagt er auch der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Westerwald Süd und Wirges adieu, wo er seit 2020 tätig war.

Seinen Abschied feierte er an einem Ort, der für ihn besondere Bedeutung hat: in der Stiftung Scheuern, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Die Ortswahl ist kein Zufall, denn die Seelsorge und Verkündigung für die Menschen mit einer Behinderung waren dem Theologen immer eine Herzenssache. Mehr als fünf Jahre war er dort als Pfarrer tätig, bevor er in den Westerwald wechselte. Im Rhein-Lahn-Kreis war Fehlhaber wesentlich länger aktiv. Im Jahr 2011 übernahm er die halbe Pfarrstelle für Ökumene in den drei evangelischen Dekanaten Diez, Nassau und St. Goarshausen, arbeitete im ökumenischen Forum „Kirche im Welterbe Mittelrhein“ mit und übernahm Dienste in den Kirchengemeinden rund um Dornholzhausen sowie Hömberg und Zimmerschied. 

Lebenswelten erlebt

Im Auftrag des Herrn war Fehlhaber schon seit den frühen 1990er-Jahren unterwegs: Zunächst arbeitete er im Diakonischen Werk Hamburg in der Begegnungsarbeit der Kirchengemeinden mit Flüchtlingen. Das war eine prägende Zeit für den heute 63-Jährigen. Er lernte nicht nur neue Kulturen, sondern auch die unterschiedlichsten Erfahrungs- und Lebenswelten kennen.  

Sein Dienst als Pfarrer begann 1999 in Offenbach-Bieber. Dort erlebte er, wie inspirierend die Arbeit in einem gut funktionierenden Team ist. 13 Jahre sprechen für sich, die er an seinem ersten Dienstort blieb, bevor er sich auf Neues an Rhein, Lahn und Aar einließ. Den Blick zu weiten über kirchliche oder konfessionelle Grenzen hinweg auf das, was Menschen bewegt, war ihm als Ökumene-Pfarrer wichtig. Die Teamarbeit markiert noch einmal das Ende seines aktiven Dienstes als Pfarrer: Bis Sommer ist er im Verkündigungsteam der Gesamtkirchengemeinde Westerwald-Süd tätig, zuständig für die Seelsorge an Senioren, hauptsächlich in den Einrichtungen. Aber auch Beerdigungen hat er dort in Montabaur übernommen. 

Der Blick hinter die “heile Welt”

„Mein Herz schlug immer dann am lautesten, wenn ich mit Menschen zusammen war, die sonst kaum wahrgenommen werden in der Gesellschaft“, blickt der künftige Ruheständler zurück. Dazu zählt er Wohnungslose, Demente und Menschen, deren Behinderung nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, weil sie seelisch erkrankt sind oder schon vor der Geburt durch Alkohol geschädigt wurden. Und er nennt Geflüchtete „oder Menschen, denen am Ende des Geldes noch sehr viel Monat bleibt“ als solche, die ihm am Herzen liegen und denen er in all seinen Diensten begegnete, „gerade auch in vermeintlich heilen Welten“.

Als besonders bereichernd bleibt ihm im Rückblick auch seine Zeit in Scheuern in Erinnerung, wo er nun verabschiedet wurde. Wie die Menschen dort ihre Persönlichkeit ausdrücken, „unverstellter und spontaner als anderswo“, sei beeindruckend. „Und ich habe dort Gottesdienste gefeiert, wie ich sie zuvor noch nie erlebt hatte.“ In Scheuern hat sich dieser Kreis nun geschlossen.